Urlaubstrauma Hotelarzt: Katzenbiss in Ägypten endet in Abzocke
Ein aktueller Fall unseres Kunden Andreas zeigt erneut das Problem, welches uns bei medizinischen Notfällen in Ägypten leider immer wieder begegnet: fragwürdige Behandlungen durch Hotelärzte, verbunden mit massiv überhöhten Kosten. Immer wieder machen unsere Kunden solche Erfahrungen. Wir halten es für dringend notwendig, auf diese Missstände weiter aufmerksam zu machen. Nicht nur wir, sondern auch unser Kunde Andreas möchte diesen Vorfall öffentlich machen, um andere Reisende zu warnen.
Im Folgenden schildert Andreas den gesamten Sachverhalt aus seiner Sicht.
Darunter folgt eine medizinische Einschätzung von unserem Arzt Christian van de Weyer, welcher den Fall begleitet hat und noch mal fachlich einordnet und erklärt, welche Behandlung sinnvoll waren und welche nicht.
© Bildrechte: Andreas Ehmke
Sachverhaltsschilderung – Andreas Ehmke
Mein Name ist Andreas Ehmke. Von Beruf bin ich seit 1998 Rechtsanwalt und seit 2014 Notar. Ich bin am 30. Januar 1968 geboren, 1,86 Meter groß und wiege derzeit etwa 87 Kilogramm. Mein körperlicher Zustand ist gut; ich bin sportlich fit, mein Körperfettanteil liegt unter 20 %, und ich nehme keinerlei dauerhafte Medikamente ein. Allergien sind mir nicht bekannt. Meine letzte Operation liegt weit zurück - es waren Eingriffe an den Knien im Alter von 16 beziehungsweise 17 Jahren. In den vergangenen Jahren war ich nie schwer erkrankt und hatte insbesondere nie Probleme mit meinem Blutdruck. […]
Urlaub und Unfallereignis am 29. Januar 2026
Am 27. Januar 2026 reiste ich mit meiner Ehefrau Kerstin zu einem Tauchurlaub nach EI Quseir (Elkesir) in Ägypten an, der bis zum 7. Februar dauern soll. Am Vormittag des 29. Januars absolvierte ich zwei problemlose Tauchgänge: den ersten über 45 Minuten in einer Tiefe von maximal 12 Metern, den zweiten ebenfalls über 45 Minuten bis auf etwa 25 Meter. Ich fühlte mich gesundheitlich ausgezeichnet. Den Nachmittag verbrachte ich entspannt; ich trank lediglich zwei Cocktails an der Poolbar, ansonsten nur grünen Tee mit Zucker.

Gegen 21:00 Uhr saßen meine Frau und ich auf der Terrasse vor der Bar des Swiss Hotels. Als ich kurz von der Toilette zurückkehrte, zeigte mir meine Frau eine rotbraune Katze, die unter einem Stuhl saß und die sie zuvor gestreichelt hatte. Auffällig war, dass das Tier die rechte Vorderpfote gehoben hielt. Da wir selbst seit Jahren Katzen halten und sehr tierlieb sind, näherte ich mich dem Tier vertrauensvoll. Als ich die Katze kurz streichelte, biss sie mich völlig unvermittelt in den Ringfinger der rechten Hand. Es handelte sich um einen punktförmigen Einstich. Da ich bereits vor 15 Jahren einmal von einer eigenen Katze gebissen worden war, wusste ich um die Gefahr: Solche Wunden können sich äußerlich schnell schließen, während sich im Inneren eine gefährliche Infektion entwickelt.
Die erste ärztliche Behandlung (Nacht vom 29. auf den 30. Januar)
Gegen 22:00 Uhr begaben wir uns zur Rezeption, um einen Arzt anzufordern. Zwischen 22:15 und 22:30 Uhr erschien der ägyptische Hotelarzt (Dr. Mark Gobrial von 24/7 Clinic Travel Medical Service), ein etwa 30 bis 35 Jahre alter Mann. Da mein Englisch lückenhaft ist und auch er nur eingeschränkt Englisch sprach, nutzten wir zur Verständigung überwiegend die Dolmetscherfunktion unserer Mobiltelefone. Ich zeigte ihm die Wunde und fragte nach seiner Einschätzung. Er bejahte sofort, dass dies ein ernsthaftes Problem sei, und zeigte mir auf seinem Handy das Foto eines Zeigefingers, der nach einem unbehandelten Katzenbiss massiv aufgeplatzt und blutig war. Er machte unmissverständlich klar, dass sofort gehandelt werden müsse. Er fragte mich, ob ich versichert sei, was ich bejahte. Er teilte mir mit, dass ich nach der Behandlung aus Verauslagung der Kosten sämtliche erforderlichen Unterlagen erhalten würde, um problemlos mit der Auslandsversicherung die Kosten abzurechnen und mir den Betrag erstatten zu lassen. Er hat mich im Übrigen nicht gefragt, ob ich Raucher bin, hat mich aber eine Zwischendurch-Zigarette rauchen sehen.
Während er meine Daten aufnahm (und auch während der Behandlung) telefonierte er mehrfach auf Arabisch mit seinem Vorgesetzten. Dieser wirkte am Telefon sehr dominant, während der junge Hotelarzt eine fast unterwürfige Haltung einnahm. Wir mussten etwa 45 bis 60 Minuten auf einen Krankenpfleger warten. In dieser Zeit maß der Arzt meinen Blutdruck zweimal elektronisch und einmal analog. Die Werte waren erschreckend hoch: über 180 zu 120 mmHg bei einem Puls von 100. Der Arzt behauptete, dies läge am Stress und am Schmerz des Bisses. Auf die Frage meiner Frau, ob ich mit diesen Werten tauchen könne, antwortete er mit „No problem".
Die Wundversorgung begann schließlich mit einer roten Flüssigkeit, einer klaren Tinktur und einem weißen Spray, allerdings erst ca. 23:45 Uhr, also fast 2 Stunden nach dem Biss. Mein Finger war im Bereich des Einstichs leicht geschwollen, aber nicht gerötet. Der Arzt betonte, ich benötige zwingend Antibiotika und eine Tetanusimpfung, da meine letzte Auffrischung über zehn Jahre zurücklag. Er sprach auch über Rabies (also Tollwut). Der Pfleger legte mir einen Venenzugang am linken Arm für eine Infusion. Parallel zeichnete er zwei Kreise auf meinen rechten Arm und spritzte Testflüssigkeit hinein (offenbar ein Allergietest). Nach etwa 30 Minuten ohne Reaktion spritzte er Medikamente direkt in die lnfusionsflasche. Zudem erhielt ich eine Spritze in die rechte Schulter (Tetanus). Die Behandlung endete gegen 00:55 Uhr an meinem Geburtstag. Der Arzt forderte nun 600 Euro. Er meinte, damit seien die Kosten für die erbrachten Maßnahmen abgedeckt. Da meine Kreditkarte nicht funktionierte, zahlte ich per PayPal, wobei er 5 % Aufschlag für die Transaktionsgebühren verlangte. Er forderte mich auf, am nächsten Tag um 18:00 Uhr zur Kontrolle und für weitere Injektionen wiederzukommen, und stellte auf Nachfrage weitere Kosten von 700 bis 800 Euro für die komplette Behandlung bis zur Abreise in Aussicht. Der Zugang sollte im Arm verbleiben. Er sagte jedoch, dass er diesen auch entfernen könne, damit ich am nächsten Tag tauchen könne. Allerdings müsste dann für die Folgebehandlungen ein neuer Zugang gelegt werden. Ich entschied mich jedoch aufgrund der Schmerzen beim Legen des Zugangs und des hohen Blutdrucks gegen das Tauchen und für den Verbleib der Nadel.
Eskalation Folgetag (am 30. Januar)
Ich wurde misstrauisch und suchte am Morgen des Folgetages die Tauchbasis auf, um meine aqua med Unterlagen einzusehen. Ich kontaktierte die Versicherung unverzüglich telefonisch. Der dortige Arzt vermutete sofort eine Überbehandlung und nannte die lnfusionstherapie bereits am Telefon als vermutlich „unsinnig“. Er schickte mir am Nachmittag eine E-Mail mit medizinischen Anweisungen: Der Zugang sollte entfernt werden und ich solle auf ein bestimmtes orales Antibiotikum umsteigen. Im Übrigen teilte er mit, dass die Infusion Version sei. Ich kaufte daraufhin das empfohlene Antibiotikum und zwei Salben in einer Apotheke für umgerechnet 17,98 Euro.
Um 18:00 Uhr suchte ich den Hotelarzt – wie von diesem erbeten – erneut auf. Meine Frau war, wie schon am Vorabend, als Zeugin dabei. Sie hatte im Übrigen am Vorabend Lichtbilder gefertigt, auf denen ich mit der Infusion und den Kreisen auf dem rechten Arm erkennbar bin. Ich forderte die Entfernung des Zugangs und erklärte, dass ich keine weiteren Vorauszahlungen leisten würde, sondern die Abrechnung direkt über aqua med erfolgen müsse, wie ebenfalls in der E-Mail von aqua med empfohlen. Eine weitere Behandlung würde ich erst akzeptieren, wenn ich grünes Licht von aqua med hätte, wofür die schriftlichen Unterlagen von ihm benötigt werden. Er erklärte nochmals, dass ich nach Abschluss alle Unterlagen ausgedruckt bekommen würde, um mit der Auslandskrankenversicherung abzurechnen und mir die Kosten erstatten zu lassen. Als ich deutlich machte, dass ich die Unterlagen (Medical Report und Rechnung) zwingend benötige, verweigerte er dies, ließ er mich aber den Bildschirm seines Laptops abfotografieren.
Der Arzt maß erneut meinen Blutdruck: Er lag nun sogar bei über 180 zu 130 mmHg. Obwohl mir trotz der sommerlichen ägyptischen Wärme kalt war und ich fröstelte, zeigte der Arzt relativ geringes Interesse an meinem Zustand. Er gab mir lediglich eine Tablette, die ich unter der Zunge zergehen lassen sollte. Sodann gab es erneut hitzige Telefonate mit seinem Vorgesetzten, der offensichtlich auf einer Feier war (Hintergrundmusik war hörbar).
Der junge Arzt war erkennbar nervös. Er weigerte sich (wie oben schon dargelegt), mir einen schriftlichen bzw. ausgedruckte Medical Report oder eine Rechnung oder Quittung über die per Paypal gezahlten 600 Euro auszuhändigen, erlaubte mir aber, seinen Laptop-Bildschirm mit den entsprechenden Dokumenten abzufotografieren, damit mit aqua med die weitere Behandlung abgeklärt werden könne. Er behauptete nun, die Kosten für die Behandlung am Vorabend lägen nun im Übrigen bei 915 Euro, ich schulde ihm also noch 315 Euro. Er schien sich für die E-Mail des Arztes von aqua med, die ich ihm vorlegte, überhaupt nicht zu interessieren und fragte mich sogar vorwurfsvoll, ob ich ihm nicht vertrauen würde.
Später am Abend schickte er mir eine WhatsApp-Nachricht mit einer dreisten Aufforderung: Ich solle gegenüber aqua med behaupten, ich hätte die vollen 915 Euro bereits bezahlt und hätte alle Unterlagen in gedruckter Form vorliegen. Ich solle ihm doch bitte die restlichen 300 Euro überweisen. Dies verweigerte ich. Ich nahm das von aqua med empfohlene Antibiotikum ein und bin absolut beschwerdefrei.
Inzwischen ist ein weiterer Fall bekannt geworden. Ein weiterer Hotelgast wurde ebefalls am gleichen Abend von der Katze beim Streicheln in den Finger gebissen und hat nach mir erteilter Auskunft 1100 € beim Hotelarzt bezahlt. Ebenfalls wurde unter anderem Infusion durchgeführt.
Stellungnahme von Dr. Christian van de Weyer (aqua med Doc)
Herr Andreas Ehmke ist Kunde bei aqua med und hat als solcher Anspruch auf Versicherungs- und medizinische Beratungsleistungen im Rahmen unserer Reisekrankenversicherung. Der erste telefonische Kontakt mit unserer Hotline war am 30.01.2026 um 10:43 Uhr. Herr E. berichtete, er sei gerade in Ägypten im Swissôtel Resort El Quseir. Er sei am Abend zuvor von einer Katze gebissen worden. Danach sei er zum Hotel-Arzt gegangen.
Dort sei:
- die Wunde versorgt worden
- ein venöser Zugang gelegt und eine Infusion verabreicht worden
- ein auf „zwei Injektionen in den Oberarm“ beruhender Allergietest durchgeführt worden, nach etwa 1 Stunde sei das Allergietestergebnis negativ gewesen
- dann sei eine Infusion mit Antibiose verabreicht worden
- die intravenöse Gabe des Antibiotikums sei für den 30.01. Abends erneut vorgesehen, der venöse Zugang sei ja noch im Arm
- auch eine Tetanus-Impfung sei verabreicht worden, da seine letzte Tetanus-Schutzimpfung länger als 10 Jahre zurückgelegen sei.
Herr E. habe dafür bereits 600,- € bezahlt und eine weitere zu zahlende Summe in Höhe von 315,- € sei am Abend zu entrichten, denn der Preis für die Behandlungskosten sei 915,- €.
Ich habe Herrn E. bereits bei diesem ersten Telefonat am 30.01.26 mitgeteilt, dass nach deutschen Behandlungsgepflogenheiten und Leitlinien weder eine Infusion noch ein Allergietest noch eine intravenöse Antibiose vorgesehen seien. Medizinisch erforderlich sei eine angemessene Wundversorgung, da Katzenbisse tiefe, teils schwer erkennbare Wunden hinterlassen. Eine antibiotische Infektionsprophylaxe sei gerade bei Katzenbissen wichtig, aber als Tablettengabe angemessen und ausreichend.
Ich habe Herrn E. sehr deutlich gesagt, dass ein Teil der durchgeführten Maßnahmen medizinisch unsinnig sei und für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe ihm daher geraten, keinerlei Zahlungen mehr zu leisten, sondern den Arztbrief und die Rechnung an uns zur Rechnungsprüfung zu schicken.
Ich habe Herrn E. später per E-Mail dazu geraten, sich das Antibiotikum in Tablettenform in einer Apotheke zu besorgen, da es in Ägypten rezeptfrei erhältlich ist. Empfehlung: Amoxicillin+Clavulansäure 875mg+125mg Tabletten, 3mal täglich. Außerdem habe ich ihn in dieser E-Mail über das zwar seltene aber theoretisch mögliche Risiko einer Tollwutinfektion durch Katzenbisse in Ägypten informiert und ihm die Postexpositionsprophylaxe gemäß den Vorgaben der WHO empfohlen. Wie sich später anhand der Fotos der Abrechnung zeigte, hatte der Hotelarzt die Tollwutimpfung bereits begonnen und auch ein Schema zum weiteren Impfplan korrekt vorgegeben.
Die Durchführung der Tetanus- und Tollwutimpfung waren leitliniengerecht und sind nicht zu beanstanden.
Später am Tag hat mir Herr E. berichtet, dass er das Antibiotikum für 17,98 € in der Apotheke erhalten habe, dazu noch Creme für die Versorgung der Wunde.
Anzumerken ist noch, dass es sehr unterschiedliche Informationen über den bei Herrn E. gemessenen Blutdruck gab, es war ein Wert von 181/131 mmHg im Gespräch. Tauchmedizinisch ist die von Herrn E. berichtete Äußerung des Hotelarztes, Tauchen sei mit einem erstmals aufgetretenen Bluthochdruck in dieser Höhe kein Problem („no problem“), zumindest fragwürdig. Interessanterweise war der später in der Apotheke gemessene Druck 120/80 mmHg.
Zusammenfassende Bewertung
Aus der Sicht des Assistance-Arztes, der Informationen telefonisch übermittelt bekommt und dies in der Bewertung der Informationen immer berücksichtigen muss, ist hier ohne ärztlichen Zweifel von einer Überdiagnostik (Allergietests) und Übertherapie (intravenöse Antibiose, Infusion) auszugehen. Dabei handelt es sich um invasive Maßnahmen mit einem zumindest theoretischem Verletzungs- und Infektionsrisiko. Die damit verbundene Körperverletzung ist unter zwei Bedingungen akzeptabel: wenn sie medizinisch erforderlich ist und wenn der Patient seine Zustimmung gibt. Die Körperverletzung war hier nicht medizinisch erforderlich. Ob unter dieser Voraussetzung die vom Patienten gegebene Zustimmung wirksam sein kann, ist eine juristische Fragestellung, deren Beantwortung dem Mediziner mangels entsprechender Fachkenntnis nicht zusteht.
Darüber hinaus sehe ich ganz persönlich einen Verstoß gegen eine ärztliche Ethik, die Länder- und Kulturübergreifend i. d. R. weltweit unter Ärzten selbstverständlich ist. Für das hier beobachtete Vorgehen fehlt mir jedes Verständnis.
Dr. med Christian van de Weyer / Facharzt für Arbeitsmedizin / Notfallmedizin
FAZIT
Andreas’ Fall ist kein Einzelfall. Doch unser gesamtes Team von aqua med wird sich weiterhin dafür einsetzen, euch in solchen Situationen zu unterstützen – und euch bestenfalls davor zu schützen, indem wir mehr Aufmerksamkeit für diese Problematik schaffen. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam aufmerksam bleiben und problematische Strukturen klar benennen. Nur so kann sich langfristig etwas ändern.
UNSERE TIPPS FÜR EUCH