Urlaubstrauma Hotelarzt: Katzenbiss in Ägypten endet in Abzocke

Ägypten Hotel

Ein aktueller Fall unseres Kunden Andreas zeigt erneut ein Problem, dem wir bei medizinischen Notfällen in Ägypten leider immer wieder begegnen: fragwürdige Behandlungen durch Hotelärzte bei gleichzeitig massiv überhöhten Kosten.

Urlaub und Unfallereignis (29. Januar 2026)

Eigentlich verlief der Tauchurlaub von Andreas Ehmke in El Quseir am Roten Meer völlig unauffällig. Am Vormittag des 29. Januar 2026 absolvierte er zwei problemlose Tauchgänge und fühlte sich gesundheitlich bestens.

Am Abend jedoch kam es zu einem unerwarteten Zwischenfall: Auf der Terrasse der Hotelbar des Swiss Hotels näherte sich Andreas einer Katze, die zuvor von seiner Ehefrau gestreichelt worden war. Als er das Tier kurz berührte, biss es ihn völlig unvermittelt in den Ringfinger der rechten Hand. Zurück blieb eine kleine, punktförmige Bisswunde. Was zunächst harmlos aussah, barg ein ernstzunehmendes Risiko. Katzenbisse können sich äußerlich schnell schließen, während sich im Gewebe gefährliche Infektionen entwickeln. Da Andreas diese Gefahr aus früherer Erfahrung kannte, wollte er auf Nummer sicher gehen.

Die erste ärztliche Behandlung (Nacht vom 29. auf den 30. Januar)

Ägypten Hotel

Gegen 22:00 Uhr forderten Andreas und seine Ehefrau über die Hotelrezeption einen Arzt an. Kurz darauf erschien der Hotelarzt (Dr. Mark Gobrial von 24/7 Clinic Travel Medical Service). Da die Verständigung auf Englisch schwierig war, erfolgte ein Großteil der Kommunikation über Übersetzungs-Apps. Der Arzt stufte den Katzenbiss sofort als ernst ein und warnte eindringlich vor möglichen Komplikationen. Er zeigte zur Verdeutlichung Bilder schwerer Infektionen und erklärte, eine umgehende Behandlung sei notwendig. Zugleich versicherte er, die Kosten könnten später problemlos über die Auslandskrankenversicherung abgerechnet werden. Während der Wartezeit auf einen Pfleger, rund 45 bis 60 Minuten, wurde mehrfach der Blutdruck gemessen: Die Werte lagen deutlich erhöht bei über 180/120 mmHg. Der Arzt führte dies auf Stress und Schmerzen zurück und sah dennoch kein Problem für weiteres Tauchen: „no problem“.

Die eigentliche Wundversorgung begann erst gegen 23:45 Uhr, fast zwei Stunden nach dem Biss. Es folgten Desinfektion, Infusion, Medikamentengabe, ein Allergietest sowie eine Tetanusimpfung. Auch mögliche Tollwut wurde thematisiert. Die Behandlung endete kurz vor 1:00 Uhr nachts.

Anschließend verlangte der Arzt 600 Euro, zahlbar sofort. Weitere Kontrolltermine und Injektionen wurden angekündigt, mit zusätzlichen Kosten von bis zu 800 Euro. Ein Venenzugang blieb im Arm, obwohl angeboten wurde, diesen für erneutes Tauchen zu entfernen. Aufgrund der Schmerzen und des hohen Blutdrucks entschied sich Andreas dagegen.

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Eskalation Folgetag (30.Januar)

Am Morgen des 30. Januar kontaktierte Andreas vorsorglich aqua med. Der dortige Arzt äußerte bereits am Telefon den Verdacht einer Überbehandlung und stufte die Infusionstherapie als medizinisch nicht notwendig ein. Per E-Mail erhielt Andreas konkrete Anweisungen: Der Venenzugang sollte entfernt und auf ein orales Antibiotikum umgestellt werden. Die empfohlenen Medikamente kaufte er anschließend in einer Apotheke: Gesamtkosten knapp 18 Euro.

Zum vereinbarten Kontrolltermin um 18:00 Uhr suchte Andreas den Hotelarzt des Swiss Hotels erneut auf, begleitet von seiner Ehefrau. Er verlangte die Entfernung des Zugangs und erklärte, dass eine weitere Behandlung nur noch in Abstimmung mit aqua med erfolgen könne. Zudem forderte er die erforderlichen Unterlagen (Medical Report und Rechnung). Diese wurden ihm jedoch nicht ausgehändigt. Lediglich Fotos vom Bildschirm des Arzt-Laptops wurden erlaubt.

Der erneut gemessene Blutdruck lag inzwischen bei über 180/130 mmHg. Trotz Frösteln und deutlich reduziertem Allgemeinbefinden reagierte der Arzt kaum, verabreichte lediglich eine Tablette und führte hitzige Telefonate mit seinem Vorgesetzten.

Nun folgte die nächste Forderung: Die Behandlung vom Vorabend koste angeblich nicht 600, sondern 915 Euro. Andreas solle weitere 315 Euro zahlen. Auf die ärztlichen Anweisungen von aqua med ging der Hotelarzt nicht ein. Später forderte er per WhatsApp sogar, gegenüber aqua med falsche Angaben zu machen und die fehlende Summe privat zu überweisen. Andreas lehnte ab.

Nach Einnahme des von aqua med empfohlenen Antibiotikums verschwanden die Beschwerden von Andreas vollständig.

Inzwischen wurde bekannt, dass auch ein weiterer Hotelgast am selben Abend von derselben Katze gebissen wurde. Auch er hat eine ähnliche Behandlung inklusive Infusion erhalten. Die Rechnung: rund 1.100 Euro.


Einschätzung durch aqua med

Andreas Ehmke kontaktierte am 30. Januar 2026 die medizinische Hotline von aqua med, welche zu dem Zeitpunkt von Doc Christian besetzt war. Andreas schilderte die Behandlung durch den Hotelarzt und Doc Christian stellte schnell klar: Nach medizinischen Leitlinien sind Infusionen, Allergietests und intravenöse Antibiotikagaben bei einem Katzenbiss nicht notwendig. Erforderlich sind eine sorgfältige Wundversorgung sowie ein Antibiotikum in Tablettenform. Andreas wurde geraten, keine weiteren Zahlungen zu leisten und die Unterlagen zur Prüfung einzureichen. Das empfohlene Antibiotikum erhielt Andreas in der Apotheke.

Lediglich die Tetanus- und Tollwutimpfung waren fachlich korrekt. Die übrigen Maßnahmen wurden als medizinisch nicht gerechtfertigt bewertet. Auch die Aussage des Hotelarztes, Tauchen sei trotz stark erhöhtem Blutdruck „kein Problem“, stuft Doc Christian als fragwürdig ein.

Aus Sicht von aqua med liegt eine klare Überdiagnostik und Übertherapie vor – mit unnötigen invasiven Maßnahmen und einem deutlichen Verstoß gegen ärztliche Sorgfalt.

Schlusswort

Andreas’ Fall ist kein Einzelfall. Umso wichtiger ist es, solche Erfahrungen sichtbar zu machen. Wir bei aqua med stehen euch auch weiterhin in medizinischen Notfällen zur Seite – und setzen uns dafür ein, problematische Strukturen offen zu benennen. Nur durch Aufmerksamkeit und Aufklärung kann sich langfristig etwas ändern.

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