Tauchtauglichkeit bei Frauen und spezifische gynäkologische Fragestellungen

Grundsätzlich hat jede Tauchtauglichkeitsuntersuchung dieselben Grundregeln. Aber – jede „besondere Gruppe von Tauchern“ benötigt andere Fragestellungen. Niemand käme auf die Idee einen jungen Mann zu fragen ob er schwanger sein könnte noch würde man eine Frau auf eine Prostatavorsorgeuntersuchung ansprechen. Bei Untersuchungen von Frauen ist – neben der obligaten Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft – ein erweiterter Blickwinkel auf die gynäkologischen Aspekte und Erkrankungen (nach Gebärmutterentfernung oder Brustkrebs etc.) wichtig.

Die frühere Annahme, dass Frauen – bedingt durch den biologisch höheren Körperfettanteil – ein höheres DCS-Risiko als Männer haben, hat sich nicht bestätigt, obwohl der Monatszyklus und Hormonschwankungen einen Einfluss auf die DCS-Empfindlichkeit haben. In Studien zeigten sich signifikant vermehrt DCS-Fälle bei Frauen in der ersten Zykluswoche. Auch gibt es Unterschiede in Bezug auf die Symptomatik. Bei Frauen werden häufiger Beschwerden in der Brust angegeben als bei Männern (Spannungsgefühl, Schmerzen, Schwellung).

Die Leitlinien der GTÜM (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin Deutschland) zur Tauchtauglichkeitsuntersuchung tragen den gynäkologischen Aspekten Rechnung und können in der Checkliste Tauchtauglichkeit nachgelesen werden (siehe Literaturanhang).

Spezielle Fragestellungen und Fragen aus der tauchmedizinischen Ambulanz:

  1. Kann ich während meiner Regelblutung tauchen?

    JA. Es sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Bei Unwohlsein oder Bauchkrämpfen eher auch mal pausieren.

  2. Kann ich alle herkömmlichen Hygieneartikel während der Regelblutung verwenden?

    Grundsätzlich JA – jedoch ist das Tauchen mit Einlagen oder Binden hygienisch gesehen im Neoprenanzug nicht empfehlenswert.

  3. Besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko im Intimbereich während der Regelblutung?

    NEIN – die üblichen Hygienemaßnahmen sind ausreichend.

  4. Provoziere ich Haiangriffe durch Spuren von Menstruationsblut?

    eher NEIN - Zitat von Dr. Erich Ritter, Haiexperte: Das Thema «Monatsblutungen als Blutquelle» wurde in den Tauchmagazinen schon mehrfach und meist von Ärzten - ohne jede praktische Erfahrung mit Haien - diskutiert. Mangels sich für Feldversuche mit Haien im Wasser zur Verfügung stellender Probandinnen konnte ich die Wirkungen von Monatsblutungen auf Haie bisher selbst nicht untersuchen. Da Haie aber in der Lage sind, auch winzigste Blutkonzentrationen im Wasser (1:10 Milliarden Teilchen!) wahrzunehmen, werden sie zweifellos auch Monatsblutungen orten können und auch darauf reagieren. Meines Erachtens nach bildet jedoch ein intakter Tauchanzug von 7 mm Stärke eine gute Barriere gegen eventuell ins Wasser austretende Blutbestandteile. Will die betroffene Frau ohne Tauchanzug oder nur mit Tropenanzug bekleidet mit Haien tauchen, empfehle ich ihr, sich in der Strömung unterhalb und in angemessener Distanz des Hais aufzuhalten. Ich gehe dabei nicht davon aus, dass der Hai die Frau nun gleich als interessante Beute sehen wird, wenn er Blutbestandteile geortet hat. Ich schließe aber nicht aus, dass beim Hai eine erhöhte Neugier entstehen kann. Monatsblutungen sind, bei richtigem Verhalten, kein Problem, dürfen dennoch aber auch nicht verharmlost werden. Häufig sind während ihrer Periode tauchende Frauen - wohl aus Unsicherheit darüber, wie der Hai nun reagieren würde - zusätzlich nervöser, was ebenfalls auf Haie stimulierend wirken kann.

  1. Darf ich tauchen wenn ich die Pille nehme?

    JA – entgegen vieler anderer Vermutungen erhöht die Einnahme von Verhütungsmittel das Risiko eines Tauchunfalles nicht.

  2. Darf ich während der Schwangerschaft tauchen?

    NEIN – auch nicht mit strikt konservativen Profilen. Eine Schädigung oder Abgang des Fötus/Embryo ist nicht auszuschließen. Wurde während unbekannter Frühschwangerschaft getaucht, ist dies jedoch keine Indikation zum Abbruch der Schwangerschaft.

  3. Wann darf ich nach der Geburt meines Kindes wieder tauchen?

    Wenn der Wochenfluss aufgehört hat und die Frau sich wohl fühlt und körperlich eine ausreichende Leistungsfähigkeit besitzt darf wieder getaucht werden. Zum Wohlfühlen gehört aber auch genügend Schlaf! Nach einer durchwachten Babynacht empfiehlt es sich die Schlafpausen des Kindes eher zum Ausruhen als zum Tauchen zu benutzen. Nach einem Kaiserschnitt gilt prinzipiell das gleiche. Zusätzlich müssen alle Wunden gut verheilt sein – auch die innerlichen Nähte an der Bauchmuskulatur. Bei zu früher Beanspruchung (Anheben der schweren Tauchausrüstung) kann es hier zu Nahtinsuffizienzen kommen.

  1. Kann ich während der Stillzeit tauchen?

    JA – Stickstoffblasen sind gut fettlöslich und lösen sich zwar hervorragend in der Muttermilch, werden allerdings bereits beim Saugvorgang weitgehend entsättigt. Eine weitere Entsättigung erfolgt im kindlichen Magen. Schädigungen durch übertretende Stickstoffblasen sind somit ausgeschlossen. Die weit offenen Milchkanäle stellen jedoch eine Eintrittspforte für Keime dar, weswegen eine peinliche Hygiene eingehalten werden muss. Bei Mastitis (Brustentzündung) besteht Tauchverbot. Weiterhin ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da die Mutter beim Stillen einen erheblich gesteigerten Flüssigkeitsbedarf hat. Im Falle eines Rückganges der Milchproduktion liegt meist ein Flüssigkeitsdefizit vor.
    Siehe hierzu auch Artikel:  Tauchen während der Schwangerschaft Ausgabe DI 11/09.

  2. Darf ich tauchen wenn Kinderwunsch besteht?

    Wenn Kinderwunsch besteht sind Frauen meist sehr aufmerksam bezüglich ihres Monatszyklus und wissen ungefähr wann der Eisprung stattfindet. Bis dahin kann bedenkenlos getaucht werden. Ist eine Schwangerschaft danach nicht ausgeschlossen, lieber abwarten bis zum ersten Test. Es gibt Frühtests, welche bereits eine Woche nach der Befruchtung einsetzbar sind. Ist der Test positiv – herzlichen Glückwunsch und Tauchpause.

  3. Kann ich mit einem Silikon-Brustimplantat tauchen?

    JA – die modernen Implantate sind mit Flüssigkeit gefüllt (Kochsalzlösung oder Silikonöl) und deshalb bei den – beim Tauchen erreichten Umgebungsdrücken – nicht komprimierbar. Druckschäden entstehen meist durch drückende Ausrüstungsteile.  Seltene Berichte über geplatzte Implantate sind meist auf Materialfehler zurückzuführen. In Druckkammerversuchen zeigte sich, dass eine gewisse Stickstoffaufsättigung stattfindet (in Silikonöl mehr als in Kochsalz). Es traten jedoch keinerlei Schädigungen der Implantate auf.

  4. Wann darf ich nach Gebärmutter- oder Eierstockentfernung wieder tauchen?

    Das kommt auf die Art der Operation an. Wird endoskopisch vorgegangen reicht in der Regel eine Tauchpause von 8 Wochen. Der Gynäkologe muss vorher durch Untersuchung eine abgeschlossene innere Wundheilung attestiert haben und es dürfen keine Beschwerden mehr vorliegen. Wenn über einen Schnitt durch die Bauchdecke operiert wurde muss die Wundheilung ebenfalls abgeschlossen sein. Durch die Naht der Bauchmuskulatur und Faszien empfiehlt sich jedoch die Pause auf 3 Monate auszudehnen damit  es zu keinen Brüchen der Bauchdecke kommt – vor allem durch das Anheben der schweren Ausrüstung.

  5. Wann darf ich nach einer Brustoperation wieder tauchen?

    Das kommt prinzipiell auf den Grund der Operation an. Bei Implantaten und nach Reduktionsplastiken darf getaucht werden sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, Sportfähigkeit besteht und keine Schwellungen mehr vorliegen. Im Falle von Brustkrebs bestimmen der Verlauf und die Therapie der Erkrankung die Tauchfähigkeit. Hier ist eine Einzelfallentscheidung notwendig.

Frauentauchen quo vadis?

Frauen haben im Tauchsport mächtig aufgeholt. Derzeit sind immerhin 30 % aller Taucher weiblich. Eine Frau in der Tauchgruppe zu haben kann bestimmte Situationen drastisch entschärfen, da Frauen in der Regel sicherheitsbewusster und risikoärmer als Männer sind. Im Auftrag des Tauchsport-Industrieverbandes beantworteten Taucher Fragebögen in ausgewählten Tauchshops oder im Internet. Bis Oktober 2009 liefen insgesamt 872 Fragebögen zurück, die auf die realen Bestandszahlen hochgerechnet wurden. Neben vielen anderen Basisdaten konnte hierbei ermittelt werden, dass ca. 50 % der tauchenden Frauen ab etwa 30-35 Jahren den aktiven Tauchsport verlassen – nämlich dann, wenn sie Kinder bekommen. Und sie steigen auch später nicht wieder ein. Erklärt dies die immer noch so hohe Väter- bzw. Männerquote im Tauchsport?

Nichtsdestotrotz sind Frauen in jedem Sektor des Tauchsports anzutreffen – sowohl im Apnoesport, Freizeittauchen als auch im Technical Diving und verfeinern die Tauchsportszene mit „weiblicher Hand“ bzw. Flosse.

 

Anhang Literatur:

  • Fife C., Dowse M,.  Woman and Pressure, Diving and Altitude ,  Best Publishing Company, Flagstaff, 2010
  • Muth CM (2007) Frauentauchen. In: Klingmann Ch, Tetzlaff K. (Hrsg). Moderne Tauchmedizin. Gentner Verlag, Stuttgart, Seiten 621 - 633
  • Tetzlaff K, Klingmann Ch, Muth CM, Piepho T, Welslau W, Prohaska R,  (M-Hrsg) (2014).  Checkliste Tauchtauglichkeit – Untersuchungsstandards und Empfehlungen der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM). Gentner Verlag, Stuttgart